When Uncle Scrooge was hoarding air

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Published in: newspaper LOBBY / lobster


 

„Wovon lebt Gustav eigentlich?“ fragte Onkel Dagobert beim Abendessen (Ihr kennt sie ja, die reichste Ente der Weit).
Während Donald anfing, darüber nachzudenken, wovon sein lockerer Vetter Gustav lebt, und dazu angestrengt an die Decke starrte, zog der große Onkel auf dem Salatblatt den Fleischklops von Donaids Teller auf seinen eigenen hinüber. Und als Donald endlich antwortete „Ich glaube, er lebt von Luft und liebe“, hatte Onkel Dagobert den Cheeseburger schon aufgegessen. Und Donald betrachtete verwirrt seinen leeren Teller. So ist es, wenn man einen Großkapitalisten am Tisch hat.
Gustav: das ist der schöne Mann der Familie. Er hat die himmlischsten Manieren und eine fabelhafte Figur und tanzt göttlich. Alle paar Minuten zieht er einen silbernen Taschenspiegel heraus und betrachtet seine blonde Tolle, drückt sie a Ia Elvis und fingert dann an seiner Fliege. Und wenn er gelangweilt seine polierten Fingernägel mustert und dazu solche Sachen sagt wie „Bei meinem sprichwörtlichen Glück habe ich das nicht nötig!“, ärgern sich alle. Gustav ist tatsächlich ein Glückspilz. Weder muß er Tag und Nacht Taler zählen wie Onkel Dagobert, noch wie sein Vetter Donald irgendeine blöde Arbeit annehmen, um drei kleine Erpel zu ernähren. Gustav ist alleinstehend und unabhängig, und sein eigener Herr. Wenn andere etwas suchen, er· findet es und streicht den Finderlohn ein. Bei Preisausschreiben, man kann es nicht mehr hören: Erster Gewinner immer Gustav. Einmal war er lottokönig. „Geld“, sagt er lächelnd, „ist zum Ausgeben da". Nie hat man ihn wie Donald bei dem steinreichen Onkel Dagobert Taler putzen sehen.
„Dieser verschwenderische Lackaffe“ knurrte Onkel Dagobert. „Was soll denn das überhaupt heißen: ,von Luft und Liebe leben'?“ (Von Liebe! Die Enten hatten den alten Onkel in seiner Jugend schamlos ausgenommen. Einmal hatte er einer rassigen Bekassine 1 großes Cola plus 1 Doppelten Hamburger plus 1 großes Eis bezahlen müssen, weil die sagte, sie schreit ganz laut, wenn er nicht blecht. Er hatte von Enten die Nase voll. Nur Talerliebe trug Zinsen.) Als Onkel Donald sich am Kopf kratzte und keine Antwort wußte, rutschten I Tick, Trick und Track vom Stuhl und watschelten ins Kinderzimmer, wo sie ihr Pfadfinderhandbuch aufbewahren, in dem so ziemlich alles steht, was eine Ente wissen muß.
„Es ist eine Redensart, Onkel Dagobert“, erklärten sie, als sie nachgesehen hatten, im Chor: „Es soll heißen, daß jemand zum leben nicht viel braucht“ „So? Eine Redensart, meint ihr“, sagte der Onkel, „d.h. nichts dahinter!“
Doch der Gedanke, daß Gustav tatsächlich von Luft leben konnte, ließ dem Onkel keine Ruhe. Denn er war der Ansicht, daß jedem Wort auch etwas in der praktischen Wirklichkeit entsprechen müßte, etwas, das man anfassen, sehen, hören oder riechen kann. Redensarten mit nichts dahinter (z.B. „Morgenstund hat Gold im Mund": und wo ist nun das Gold?) waren für Onkel Dagobert „pffft“ und er benutzte zur Unterstreichung dieser Auffassung ein ziemlich ordinäres Wort aus seiner Goldgräberzeit. Aber er wäre nicht die reichste Ente der Weit, wenn er je irgendwann, irgendwo, irgendwas aufgegeben hätte.
„Biologisch gesehen lebt Gustav zweifellos von Luft“, grübelte der Große Onkel weiter und blickte' unwirsch über seinen Zwicker. „Wie du selber auch“, bemerkte Tick sehr 'richtig. „Und auch Onkel Donald und Oma und Tante Daisy“, sagte Trick. „Auch Hunde“, überlegte Track. „Wenn man mit einem , Hund gassi geht, kann es sein; daß man dieselbe Luft einatmet, die der Hund schon drinhatte“, meinte Tick. „Du Ferkel!“ rief Onkel Donald und knallte den Löffel auf den Tisch. „Oder du atmest die Luft ein, die schon ein Auto drin hatte,'; ergänzte Trick, „im Vergaser". „Oder ein Generaldirektor ' atmet die Luft von seinem Chauffeur ein,, der dieselbe Luft von einem Tankstellenwärter hat. Und der hat sie vielleicht von einem Chinesen,“ spann Tick diesen interessanten Zusammenhang weiter. „Von einem Chinesen?“ fragte der Große Onkel. „Klar, und der hat sie von Millionen anderer Chinesen.“ „Milliarden Chinesen!“ korrigierte Trick. „Milliarden!“ wiederholte der alte Onkel mit glänzenden Augen, denn das war ja sein Gebiet. „Kurzum: die Luft ist ziemlich verbraucht,“ meinte Track. „Jeder hat sie sich schon mal durch die Nase gezogen.“ „Gute Luft ist ziemlich selten“, sagte Tick, „wenn soviel geatmet und rumgestunken wird, logo". „Sie wird immer weniger, je mehr Leute ...“ sagte Track. „Wo rennst du denn so plätzliich hin, Onkel Dagobert?“ fragte Donald. „Es gibt noch Eis mit Himbeeren!“ Der Große Onkel hatte seinen Zylinder aufgestülpt und war schon aus der Tür. Für ihn war dieses Gespräch nämlich hochzasterös. Wieso? Saubere Luft wird .,knappes Gut“, wie die Volkswirtschaftler das nennen! Das heißt: etwas, das immer weniger wird und darum immer kostbarer; Die Menschen dagegen werden immer zahlreicher und alle brauchen das, was immer weniger wird, zum Leben. Als Immobilienmann kannte Mr. McDuck diesen angenehmen Zusammenhang allerbestens: immer mehr Menschen, immer weniger Raum, Miete in die Höh. Wie lebt man also von Luft? Wie Gustav? Nein! .,Indem man sie verkauft, natürlich!“ flüsterte die Finanzente sich selber und rieb sich geistig die Hände: ln des Onkels Knopfäuglein glimmte das $-Zeichen, das Signal, daß er alsbald durchstarten würde.
Als. Mr. McDuck im obersten Stock seines Geldspeichers angekommen war, feuerte er den Zylinder auf den Haken, stürzte ins Direktionszimmer, warf sich in den Bosse!*, drückte den Knopf des Diktierapparats und krächzte nach Konzernherrnart:
„Projekt Nr. 1.473.387:
0) Reine Luft wird ein knappes Gut.
1) Feststellen, wo die Restluft am reinsten oder würzigsten ist
(z.B. Mount Everest, Wüste Gobi, Hinterbürzelbachhausen)!
2) Bergluft, Seeluft, Landluft komprimieren und auf nichtrostende Dosen ziehen!
3) Dosen mit Luftsorte kennzeichnen und in Stollen kühl lagern!
4) Warten bis Weltluftmangel ausbricht!
5) Luft verkaufen. Höchstpreise!!
gez. Dagobert Duck
„1 Glas Ducksburger Leitungswasser!“ schrie McDuck in die Sprechanlage. Dann legte der vorausschauende Konzernstratege die Füße auf den Tisch. Er war nicht unzufrieden. Man konnte sich eine Kleinigkeit gönnen. Als Unternehmer muß man Pflöcke in die Zukunft schlagen. Seinen Claim im nächsten Jahrtausend abstecken. Arbeitsplätze schaffen! Mit der Vorstellung, daß vier, nein, fünf Milliarden** Chinesen „Ducks feine Dosenluft, Erste Pressung“ nasenweise schlürften, wartete er auf das leise Eintreten seines alten Kammerdieners John Beakmore.

* Boss-Sessel 
** sechs Milliarden